Nachzeichnen eines Menschen
Mit menschlichen Illustrationen können Infografiken interessanter gestaltet werden
Von Hanno Sprissler, Köln - Die meisten von Euch kennen das ja aus eigener Erfahrung: Beim Durchblättern der Zeitung bleibt man am ehesten an Fotos hängen und ganz besonders an solchen, auf denen ein Mensch zu sehen ist. Das ist wie bei Hunden: Sehen die einen Artgenossen, hält sie auch nichts mehr zurück.
Das können wir uns natürlich hervorragend zunutze machen und Menschen als Abbildungen in Infografiken einbauen. Und hier muß ich Angela Jansens Wort aus der Page 04/98 aufgreifen: "Pappkameraden, Puppen und Playmobil-Figuren bevölkern die Schaubilder. Durch ihren unseriösen Auftritt verringern sie aber die Glaubwürdigkeit der enthaltenen Fakten." Also merken wir uns: Nur Menschen einbauen, wenn dies den Inhalt der Grafik leichter verständlich macht. Daher nehme ich jetzt mal als Beispiel eine Grafik über das Taschengeld unserer Kinder. Kinder sind immer ein dankbares Thema. Auf das Kindchenschema (hohe Stirn, große, dicht beieinanderliegende Augen, kleine Nase etc.) fahren wir schließlich alle ab. Da kann man nix machen, das ist erblich bedingt.
Aber zurück zum Thema:
Menschen glaubhaft nachzuzeichnen ist schwierig. Wem dies zu schwer fällt, der sollte in jedem Fall lieber ein Foto freistellen und dies geeignet plazieren. Dennoch: manchmal erfordern ab und an diverse Gründe eine Nachzeichnung der Person und dies läßt sich am leichtesten folgendermaßen bewerkstelligen:
Wenn die geeignete, copyrightfreie Vorlage gewählt und eingescannt ist, sollte das Bild in der Farbigkeit reduziert werden. Dies dient nicht zuletzt einem schnellen Bildschirmaufbau im Grafikprogramm, sondern kann auch das Nachzeichnen vereinfachen.
Zum Nachzeichnen hat sich als bewährteste Methode (wird auch von Vektorisierungsprogrammen benutzt) das Übereinanderschichten von Flächen herausgestellt. Wir bei Gebirgszügen werden unterschiedlich farbige Flächen zur Darstellung der Wölbungen und Vertiefungen übereinandergeschichtet (bitte verzeiht mir, ihr Kartographen und Geographen da draußen). Je genauer dies umgesetzt wird, desto besser natürlich das Resultat. Bei Menschen sollte nichts anderes passieren: Für die hell beleuchteten Flächen wird eine helle Hautfarbe definiert, darunter liegen dann in entsprechend größer werdenden Flächen die anderen Farben (vorzugsweise legt ihr dazu eine Grundfarbe an und definiert davon prozentuale Abstufungen).
Fangen wir mit dem Scan an: Um die Struktur der nachzuzeichnenden Flächen am einfachsten nachvollziehen zu können, wird die Farbtiefe der Vorlage in Photoshop oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm reduziert. Die Vorlage wird in indizierte Farben umgewandelt. Je nach Motiv kann die Farbanzahl auf nur wenige Töne minimiert werden. Hier ein Beispiel an einem Foto von mir (2. Foto enthält nur 16 Farbtöne. Reduzierung in Photoshop ohne Diffusion):
 
An diesem Beispiel sehen wir genau, daß die Reduzierung der Farben auf einen niedrigen Wert bereits die Flächen vorgibt, die nachgezeichnet werden müssen. Vektorisierungsprogramme tun nicht anderes, nur das die Umwandlung meist ein Resultat hervorbringt, das viel zu unvorhersehbar und chaotisch ist. Also: besser selbst nachzeichnen.
Beim Nachzeichnen sollte allerdings eines besonders beachtet werden:
Wenn wir einen Menschen ansehen - sei es als Zeichnung oder als Foto - dann schauen wir zuerst in seine Augen und die nächsten, umgebenden Bereiche. Als Konsequenz sollte bei allen Nachzeichnungen von Menschen darauf geachtet werden, daß den Augen und der Augenpartie besondere Beachtung gegeben wird. Augen geben einem Gesicht den nachhaltigsten Ausdruck. Diese müssen entsprechend detailliert und sauber nachgezeichnet werden. Bei der Grafik zum Taschengeld der Kinder lässt sich dies leicht in der vergößerten Vorschau erkennen:
Das Gesicht mit der Augenpartie ist am detailliertesten gezeichnet. Haare und Körper wurden eher vernachlässigt. Trotzdem wirkt die Grafik überzeugend:

Viele Grüße und frohes Schaffen
Hanno Weinert-Sprissler
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